Uneinheitlich wie eh und je: Groko spaltet Tourismusbranche

Geschrieben von Matthias Burzinski am .

fahneberlin


Die Groko hat immerhin eines geschafft: Die Uneinheitlichkeit der Branche zu offenbaren. Die Verbände interpretieren den Koalitionsvertrag recht unterschiedlich.

Der Deutsche Tourismusverband e.V. (DTV) begrüßt den vereinbarten Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD. „Das ist ein sehr gutes Verhandlungsergebnis für den Tourismus in Deutschland“, sagt DTV-Präsident Reinhard Meyer. „Der Vertragstext greift viele unserer Forderungen auf: Dazu gehört eine von Bund und Ländern gemeinsam zu erarbeitende nationale Tourismusstrategie ebenso wie die engere Verzahnung der Förderinstrumente von EU, Bund und Ländern.“ In dem Absatz zum Tourismus haben die Koalitionsfraktionen außerdem eine Fachkräfteoffensive und das Thema Barrierefreiheit verankert. Das seien wichtige Zukunftsthemen der Tourismuswirtschaft.

Darüber hinaus seien mit der Entwicklung eines gesamtdeutschen Fördersystems für strukturschwache Regionen und dem flächendeckenden Ausbau des Gigabit-Netzes bis zum Jahr 2025 weitere Ziele festgelegt, von denen die Tourismuswirtschaft  in Deutschland profitiere.

BTW fordert echten wirtschaftspolitischen Ansatz

„Die nationale Tourismusstrategie ist ein Schritt in die richtige Richtung. Zentral wird allerdings sein, dass der vorgesehene ‚ganzheitlich wirtschaftspolitische Ansatz‘ kein Lippenbekenntnis bleibt, sondern stringent verfolgt wird!“ Mit diesen Worten kommentierte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) Dr. Michael Frenzel den Entwurf des Koalitionsvertrags von  Union und SPD.

Der Verband vermisst demnach handfeste wirtschaftspolitische thematische Aussagen jenseits von ‚Barrierefreiheit‘ und ‚Qualitätsoffensiven‘. Themen wie ein Level Playing Field, also faire Wettbewerbsbedingungen im Vergleich zu nationalen und internationalen Wettbewerbern, die digitalen Herausforderungen unserer Zeit, Bürokratieabbau und Arbeitsmarkt müssten aus  Sicht des BTW eine zentrale Rolle im Zuge einer nationalen Tourismusstrategie spielen. Aussagen, die der Einschätzung des BTW teils konträr gegenüberstehen. Möglicherweise überschätzt der BTW auch den Konkretisierungsgrad eines Koalitionsvertrages.

DRV sieht drängende Probleme der Tourismuswirtschaft nicht angepackt

Der DRV packt die ganz dicke Keule aus: „Insgesamt lässt der Koalitionsvertrag mit seinen dürren Aussagen über den Tourismus wirtschaftspolitischen Sachverstand vermissen“, so die erste Kommentierung des Entwurfes des Koalitionsvertrages von Dirk Inger, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes (DRV). Die Koalitionäre hätten immerhin beschlossen, die Tourismuspolitik strategischer auszurichten und deren Schlagkraft zu erhöhen. Jedoch müssten die Koalitionäre zu den Themen Luftverkehrs- und Urlaubssteuer in den kommenden Monaten Farbe bekennen.

Und spätestens hier beißt sich die Katze in den Schwanz, denn eine - für den Tourismus tatsächlich neue - strategische Herangehensweise kann wohl kaum in einem derart frühzeitigen Stadium konkrete Antworten erbringen. Mantraartig die alten Forderungen zu wiederholen, v.a. die Abschaffung der Luftverkehrssteuer, ist eben keine Antwort, die strategische Ausgewogenheit signalisiert. Im Gegenteil: Sie leugnet die Komplexität des Tourismus und reduziert diesen auf eine rein ökonomische Perspektive. Oder gibt es den Klimawandel etwa nicht? Oder den Overtourism? Beim DRV und beim BTW stecken die Lobbyisten den Kopf lieber in die eigenen Akten, statt in die Welt hinauszublicken.

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