Die Rückkehr des "Fremdenzimmers": AfD soll den Tourismusausschuss leiten

Geschrieben von Matthias Burzinski am .

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Medienberichten zufolge soll ein Vertreter der AfD den Tourismusausschuss des Bundestages leiten.

Der Bundestag soll nach den Willen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, AfD, FDP, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen 23 ständige Ausschüsse einsetzen. Dies geht aus einem gemeinsamen Antrag der sechs Fraktionen (19/437) hervor, der am Mittwoch auf der Tagesordnung des Bundestagsplenums zur Abstimmung steht. Der Tourismusausschuss soll demnach 18 Mitglieder bekommen. Laut fvw geht der Vorsitz an die AfD. Wer genau den Ausschuss leiten soll, scheint noch unklar zu sein.

Die ersten Reaktionen aus der Branche sind verhalten. Laut fvw will der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) zunächst „abwarten, wie sich die AfD in Sachen Tourismuspolitik konkret positionieren wird“. Bisher hat sich die Partei hier eher bedeckt gehalten. Die Konfliktlinien einer weltoffenen Tourismusbranche mit einer national orientierten Partei sind jedoch nicht allzu schwer auszumachen.

Sucht man in den Programmen der Partei nach dem Begriff "Tourismus", ergeben sich - genau - 0 Treffer. Begriffe wie Reisen und ähnliche werden nur im Zusammenhang mit Migration verwendet - nicht schwer zu erraten, wie. Ich ahne fast schon, welche Aspekte die AfD in diesem Kontext gerne betonen möchte. Meine Prognose: Sie wird sich wünschen, dass die "deutsche Leitkultur" im Mittelpunkt der touristischen Vermarktung steht. Und alle, die mit dem Begriff "Heimat" im Marketing hantieren, sollten gut aufpassen, dass sie nicht von der AfD ideologisch gekapert werden, denn das wird der Partei als Leitbild ungemein gefallen.

Die deutschen Stereotypen, die Klischees - sie werden den AfD-Politikern gefallen, jedoch garantiert ohne ironische Brechung. Leitkultur ist schließlich nicht lustig, sondern heilig. Wäre die AfD eine Werbeagentur, die eine Kampagne für den Deutschlandtourismus entwerfen müsste, was würde da wohl bei herauskommen? Klar: Tourismus hieße endlich wieder "Fremdenverkehr". Das "Fremdenzimmer" kehrt zurück. Und der Fremde ist willkommen, aber nur, wenn er auf jeden Fall irgendwann wieder verschwindet. Erstmals in der Geschichte der deutschen Tourismuswirtschaft wird es eine Obergrenze geben. Jeder Ort darf dann nur eine begrenzte Zahl an Fremdenzimmern zur Verfügung stellen. Ist die Anzahl der jährlich erlaubten Fremden erreicht, werden alle Buchungsmöglichkeiten gekappt. Damit die deutsche Leitkultur sich wieder erholen kann.

Schöne Aussichten.

Schöne Grüße
Matthias Burzinski